Kyushojutsu
急所術
Definition

Kyushojutsu 急所術 bezeichnet die Kunst, Vitalpunkte am gegnerischen Körper zu dessen Nachteil zu stimulieren, bei diesen Vitalpunkten handelt es sich um die klassischen Punkte Shùxué der chinesischen Akupunktur. Diese Kunst geht soweit zurück, wie die Energielehre der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) alt ist.
Allgemeines
Die eigentliche Bezeichnung Diǎnmài 點脈 kennt in den heutigen Zeiten des Kyusho-Konsumentenmarktes fast niemand. Es ranken sich unzählige Geschichten, Legenden, Mythen und Märchen um diese Kunst. Diese Märchen dienen nur der Steigerung der Seminarteilnehmer.
Das größte Märchen ist die Falschaussage, daß Kyushojutsu nur im Geheimen trainiert wurde. Wahrhaftige Kampfkunst wurde schon immer im "Privatem" trainiert, entweder innerhalb der Familie, eines Klosters oder eines ausgewählten Schülerkreises. Das kommerzielle Training ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Kyushojutsu war schon immer Bestandteil wahrhaftiger Kampfkunst - nicht nur in Asien, sondern nahezu überall auf der Welt. Das Alleinstellungsmerkmal der ostasiatischen Kampfkünste ist die ausgefeilte Energielehre dahinter.
Von Schülern, welche ein angemessenes Niveau, in Zusammenhang mit charakterlicher Eignung erreicht hatten, wurde erwartet, daß sie nicht nur verletzen, sondern auch heilen konnten. Um diese Fähigkeiten zu erlangen, war ein profundes Wissen um den Energiekreislauf notwendig. Je größer dieses Wissen wurde, desto größer wurde die Fähigkeit zu heilen, aber im Gleichklang auch die Fähigkeit den Energiekreislauf zum Nachteil eines Gegners zu beeinflußen. Es war Aufgaben des Schülers diese nachteilige Beeinflußung in die erlernte(n) Form(en) seiner Schule zu integrieren.
Die alten Meister haben diese Beeinflußung nie verborgen, sondern durchaus offensichtlich angewandt bzw. demonstriert - offensichtlich aber nur für Denjenigen, der über entsprechendes Wissen verfügte. Dies erweckte den Anschein des "Geheimen". Eine Vielzahl von Vitalpunkten, wie z.B.: Bǎihuì 百會, Tiāntū 天突, Sīzhúkōng 絲竹空, Jíquán 極泉, Qūchí 曲池, etc., etc., sind oder waren aufgrund der Kampferfahrung, kulturübergreifend bekannt. Selbst in meiner Jugend in der (von der Welt ziemlich isolierten) DDR sind wir während des Trainings auf genügend Punkte und deren richtige Stimulation gestoßen und konnten durch Analyse der Kata, diese durchaus präzisieren. Wir kannten also gewisse Punkte, hatten aber nicht die leiseste Ahnung vom Lauf des Qi.



